Das spätromanische Münster (um 1180-1220/30)

Die spätromanische Bischofskirche aus der Zeit um 1200 ist zu einem grossen Teil noch erhalten und prägt somit das heutige Bild des Basler Münsters. Ob der aktenkundige Brand von 1185 Anlass war für den neuen Grossbau, ist nicht nachgewiesen. Fertiggestellt wurde er in den 1220er Jahren, wie eine Holzalterbestimmung am Glücksradfenster ergab. So ergeben sich mindestens 40 Jahre Bauzeit: von ca. 1180-1220/30. Das Bauschema entspricht einer dreischiffigen Basilika (in der Grösse des Vorgängerbaus) mit Emporen, Querhaus und Chorumgang, Ost- und Westkrypta und mit fünf Türmen (2 Fassaden-, 2 Chorflankentürme, 1 Vierungsturm). Darin gleicht die Kirche grossen Domen wie Speyer, Worms oder Bamberg. Eine Besonderheit des Baus war sein bis zu den Emporengewölben offener Krypta-Umgang, der seit dem Erdbeben von 1356 aber durch eingezogene Deckengewölbe geschlossen ist. In der Krypta ist eine Altarweihe von 1202 bezeugt. Auch ein Kreuzgang muss damals angelegt worden sein, denn im Kreuzgang wurde bereits 1190 die Maria-Magdalena-Kapelle geweiht. Ausserdem haben sich im Ostflügel des Grossen Kreuzgangs noch vier Joche des spätromanischen Kreuzgangs erhalten.

Bauherr dieses Münsterbaus war sicher Bischof Lüthold I. von Aarburg (1191-1213), der mit den Stauferkönigen und -kaisern in engstem Kontakt stand und vermutlich am 4. Kreuzzug teilnahm. Er liess sich in der Krypta neben dem 1202 von ihm geweihten Marienaltar auf einer Wandmalerei abbilden. Aber auch sein Vorgänger, Bischof Heinrich I. von Homberg (1180-1190/91), und sein späterer Nachfolger, Bischof Heinrich von Thun (1216-1238, dürften den Bau dieser Epoche begleitet haben.

Am heutigen Aussenbau gehören das Nordquerhaus mit Galluspforte und Glücksradfenster, das Chor-Erdgeschoss und das Südquerhaus mit dem Davidsternfenster zum spätromanischen Münster. Ganz wesentlich prägt die Spätromanik auch den Innenraum: hier sind das Mittelschiff, die inneren Seitenschiffe, das Querhaus, die Emporen und das Chorerdgeschoss erhalten. Die Gewölbe jedoch wurden im Wiederaufbau nach dem Erdbeben von 1356 im gotischen Stil errichtet. Die Langhauswände gehören zu den ausgereiftesten Schöpfungen spätromanischer Architektur: sie bestehen aus einer spitzbogig-romanischen Arkadenzone, einer Emporenzone mit Rundbogenöffnungen und einem Obergaden mit stark eingetieften Rundbogenfenstern. Horizontale und vertikale Bauelemente strukturieren die Wand und geben dieser eine starke plastische Erscheinung. An den inneren Seitenschiffen findet sich Spätromanik reinsten Stils mit Säulenbündeln und Kreuzgratgewölben. Eine Seltenheit ist die in die dortigen Gewölbe eingeritzte Quadermalerei, sichtbar in jedem zweiten Joch des inneren Südseitenschiffs.

Im Chor sind die Erdgeschoss-Arkaden des Langhauses fortgesetzt, inklusive vier Bündelsäulen, deren Kapitelle mit Pflanzenwerk und mit figürlichen Szenen geschmückt sind.

Auch in der Krypta haben sich spätromanische Teile erhalten: die vier Stützpfeiler der Ostkrypta und zwei Bischofsbilder von Lüthold I. (Bauherr des spätromanischen Münsters) und Adalbero II. (Bauherr des frühromanischen Heinrichs-Münsters). In der Ostkrypta bestand ein nach oben bis zur Empore offener Umgang: eine seltene, sicher spektakuläre Form eines Chorumgangs, ausgehend vom Kryptenniveau. Nach dem Erdbeben von 1356 wurden Deckengewölbe in den Ostkrypta-Umgang eingebaut und im 19. Jahrhundert die Westkrypta weitgehend abgetragen.

Blick auf die dreizonige Mittelschiffwand. Foto: Erik Schmidt
Einer der vier Säulenpfeiler im spätromanischen Chor-Erdgeschoss. Foto: Erik Schmidt
Ornamentale und figürliche Skulpturen an den Kapitellen der Säulenpfeiler. Foto: Erik Schmidt
Rekonstruktion des offenen Krypta-Umgangs, der bis zu den Emporengewölben hinaufreichte, von Architekt Christoph Riggenbach, Mitte 19. Jahrhundert. Foto: Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt