Kreuzgang

Der malerische gotische Doppelkreuzgang (15. Jh.) mit der dazwischen liegenden Halle stellt eine architekturhistorische Seltenheit dar. Besonders schön sind die verzierten Gewölbe der einzelnen Kreuzgangflügel mit ihren Schlusssteinen aus Wappen oder Heiligenfiguren. Zu beachten sind auch die Fenster zum Kreuzgang-Garten, die unterschiedlichste Masswerkformen enthalten. Im Kreuzgang standen im Mittelalter mindestens sechs Altäre, an welchen Gottesdienste gehalten und bei Prozessionen des Domkapitels Station gemacht wurde. Die Anlage diente somit bis zur Reformation (1529) liturgischen Zwecken. Die mittelalterliche Tradition, den Kreuzgang auch als Bestattungsort zu nutzen, behielt man im reformierten Basel bis ins 19. Jahrhundert bei. Hier liessen sich Basler Ratsherren, Gelehrte, Kaufleute und ihre Angehörigen beisetzen. Zahlreiche prächtige Epitaphien (Grabtafeln) haben sich erhalten und geben dem Kreuzgang bis heute seinen würdevollen, besinnlichen Charakter.

Im Westflügel befindet sich an der Wand des südlichsten Joches ein Kunstwerk ersten Ranges, das Grabmal des 1501 verstorbenen Wolfgang von Utenheim. Es wurde – wie seine Inschrift besagt – von einem Onkel des Verstorbenen, dem Basler Bischof Christoph von Utenheim (1502–1527), gestiftet. Es dürfte vom Thüringer Bildhauer Martin Hoffmann stammen. Nachdem das Grabmonument wohl im Bildersturm von 1529 stark beschädigt worden war, ruhte es jahrhundertelang unter einer Putzschicht, bis es im Jahr 1870 wieder entdeckt und freigelegt wurde. Dabei kam auch die prachtvolle gotische Bemalung ans Licht. Reste dieser originalen Farbfassung sind im oberen Bereich des Grabmals heute noch gut sichtbar. Das Grabmal selbst besteht aus zwei verschiedenen Elementen: aus einem Epitaph in der Wandmitte und aus einer Kreuzigungsszene in einem Spitzbogenfeld. Das nahezu quadratische Epitaph gibt über einer mehrzeiligen lateinischen Inschrift den gewölbten Innenraum einer Kapelle wieder: Der Verstorbene kniet in Ritterrüstung betend auf dem Boden, vor sich seinen Helm und sein mit Helmzier geschmücktes Wappen. Das Bogenfeld über dem Epitaph wird eingefasst von einem Bogenlauf, in den unter Masswerk-Baldachinen acht kleine Figuren (hauptsächlich Propheten) eingestellt sind. In der Mitte des Feldes ist Christus am Kreuz dargestellt. Zu Füssen des Kreuzes streiten sich drei Knechte um das Gewand Christi. Während links davon die drei Marien, Maria Magdalena und Johannes Christus beweinen (die Figurengruppe ist nur fragmentarisch erhalten), treten rechts der Hauptmann Longinus, ein Heiliger in Rüstung, die hll. Andreas und Barbara (und im Hintergrund angeschnitten eine weitere Figur) als Zeugen des Geschehens auf. Trotz der Versehrtheit der Figuren ist die hohe künstlerische Qualität dieser an filigrane Holzschnitzerei erinnernen Bildhauerarbeit auf Anhieb ersichtlich.