Glücksrad

Das grosse Radfenster (um 1220) stellt ein monumentales Glücksrad dar, an dem steigende, thronende und stürzende Figuren auf- und absteigen. Damit wurde den Gläubigen eine urmenschliche Erfahrung vor Augen geführt: dass das Leben ein Auf und Ab ist, mit Glücks- und Unglücksphasen. Am Beispiel des Königs, der für einen Moment zuoberst auf dem Glückrad thront, wird vor Augen geführt, wie riskant und unberechenbar selbst das Leben eines Herrschers im Mittelalter war: er war Kriegen, politischen und historischen Ereignissen ausgesetzt, die Leib und Leben bedrohten. Die Schicksalsgöttin Fortuna, die sonst das Rad dreht, ist am Basler Glücksrad nicht wiedergegeben, aber dem mittelalterlichen Betrachter bekannt. Das Rad mahnte diesen, sich nicht dem glücksversprenden, aber unberechenbaren Treiben der Göttin auszusetzen, sondern Christus zu folgen. Glücksräder wurden im Mittelalter vielfach in der Buchmalerei, seltener an Architektur abgebildet, z.B. an San Zeno in Verona oder an St. Etienne in Beauvais.

Nabe und Speichen am Basler Exemplar waren bis ins 19. Jahrhundert aus Eichenholz (Originale im Museum Kleines Klingental Basel) und wurden dann in Sandstein ersetzt. Eine Holzalterbestimmung datiert das Fenster in die Zeit um 1220.